On the road durch Südafrika

Wie schon beschrieben waren die Rocklands ziemlich cool und auch bouldertechnisch bei uns beiden ein Erfolg, doch stand nach 8 Wochen nun endlich mal der nächste Teil unserer Reise an: Ein Roadtrip gen Norden und dann Seilklettern in Waterval Boven. Während bei mir, auch aufgrund der Knieverletzung, die Motivation zum Reisen recht hoch war, konnte sich Andrea kaum von den Rocklands lösen und es war für uns beide schwer sich von den coolen Leuten und unserer coolen Crew dort zu verabschieden. Ich hoffe Maxi und Don waren im September nicht ganz alleine.

Roadtrip Südafrika (39 von 65)

On the (dirt) road (immerfeuchte Subtropen)

Auf geht’s gen Norden! Zuerst ging es an der Ostküste entlang auf die Garden Route. Obwohl diese Küstenlinie zwischen Kapstadt und Port Elisabeth wahrscheinlich die bekannteste Touristendestination in Südafrika ist, waren wir jetzt nicht komplett geflasht. Die Landschaft hier ist schon schön, doch das Setting eher europäisch und touristisch ausgelegt und wenn man keine große Lust auf Bungeejumping (letztes Mal schon gemacht und auch nicht sooo geil), Rafting, oder andere Touristenattraktionen hat, gibt es in Südafrika sicher coolere Plätze. Der Tsitsikamma Nationalpark war hier unser Highlight und vor allem bei recht hohem Wellengang (natürlich war das Wetter am Meer mal wieder trüb und kühl) konnten wir hier eine sehr coole Wanderung durch den Küstenregenwald machen, bei dem das Meer ordentlich gegen die Steilküste knallte. Weiter stand noch ein Besuch im Surfermekka  Jeffersons Bay an, doch leider traute ich meinem Knie noch nicht genug um ein Board zu leihen und es blieb dabei den Jungs (und Mädels) in den Supertubes nur zuzuschauen.

Nach der Garden Route ändert sich die natürliche und kulturelle Landschaft ziemlich deutlich. Die Flächen werden offener, die Straßen schmaler, der Fahrstil chaotischer und die Bebauung wird nicht mehr von Hotelanlagen, Villen und Resorts dominiert (die es dennoch vereinzelt gibt), sondern von Rundhütten der Xhosa, welche die Hügel bedecken. Alles ist lauter, wilder und chaotischer und gefühlt beginnt hier das wirkliche Afrika.

Auffallend ist auch, dass im mittleren bis nördlichen Teil des Estern capes der Anteil der weißen Bevölkerung stark abnimmt. Obwohl es den Eindruck macht, dass hier der Wohlstand im Mittel abnimmt ist vor allem auf dem Land die krasse Polarisierung auf den ersten Blick nicht so stark wahrnehmbar. Im Western Cape sind die historischen Strukturen noch sehr stark zu sehen und es ist nicht abzustreiten, dass der Wohlstand stark nach Hautfarbe verteilt ist. Auf der Straße sieht man dies z.B. dadurch, dass kaum Schwarze hinter dem Steuer der fetten Pick-ups sitzen oder auch in den Bars oder Restaurants (in die man als Weißer geht) findet man kaum schwarze Kunden (während es bei den Bedienungen ganz anders aussieht). Weiter nördlich kommt es zu einer größeren Durchmischung der Schichten, was allerdings nicht immer heißt, dass es zu ausgiebigem Dialog kommt und für uns als Weiße ist es hier oftmals schwer ins Gespräch zu kommen. Leider ist der Rassismus und die Diskriminierung von beiden Seiten teils (stark) vorhanden und die Aufstiegs-und Bildungschancen der ärmeren Bevölkerung oft stark begrenzt. Es gibt einem jedoch auch zu denken, wenn man mitbekommt, dass man bei der Uni oder einer Bewerbung die Hautfarbe angeben muss, da es meist eine Schwarzenquote (teils 100%) gibt.

Unser erster Stop an der Wildcoast sollte Coffee Bay sein, von wo aus wir auf einer Dirt road nach Port St Johns reisen wollten. Davor wollten wir noch kurz in Mquanduli (dank Klicklauten schwer auszusprechen) anhalten, tanken und unseren Reifen aufpumpen, den wir vor ein paar Wochen gewechselt hatten und halb platt in den Kofferraum verfrachteten (er verlor ja nur langsam Luft). So kramten wir im Mega Chaos zwischen wild umherrasenden Minitaxis, die teils auf 2 Rädern U-Turns machten um die Kollegen zu beeindrucken, unseren Reifen aus dem überfülltem Kofferraum. Allerdings wies uns ein Mitarbeiter (off duty) der Tankstelle wild gestikulierend darauf hin, dass wir dies doch auf keinen Fall hier machen dürften, da wir ca. 2 Meter hinter der Überwachungskamera standen. Also fuhren wir halt 2 Meter vor um uns dann total safe zu fühlen, wenn was passiert is es ja auf Kamera. Das ganze hatte dann auch noch das tolle Ergebnis, dass der Reifen nicht aufgepumpt werden konnte, da leider das Kompressionssystem der Tankstelle temporär keinen Druck hatte. Naja ca. ein Bar war auch noch drin, also kein Problem eigentlich. Weiter ging es nach Coffee Bay, wo wir wieder von wild gestikulierenden Personen, die teils rum schrien, gegen das Auto klopften, oder irgendwelche Substanzen verkaufen wollten, empfangen wurden (achja und betrunken waren eigentlich alle). Die Einweiser der Backpacker versuchten einen direkt hinter die abgeschlossen Parkplätze zu lotsen und irgendwo dazwischen schwirrten noch ein paar Polizisten. Richtige Wohlfühlatmosphäre (Später wurde uns von einem Local dann auch gratuliert, dass wir es Nachts hierher geschafft haben, er würde das so nicht machen). Nachdem der erste Backpacker leider voll war trafen wir im zweiten Backpacker dann Sahid, der wirklich nett war und uns ein komplettes Dorm als Zweierzimmer gab und später am Feuer noch einige coole Tips gab, was es sich zu machen lohnte. Später versuchte er zwar noch seinen handgemachten Schmuck und seine Cremes zu verkaufen allerdings sehr unaufdringlich und freundlich. Wir wollten eigentlich noch ein wenig gemütlich was trinken, doch war das gar nicht so leicht, da Bier, Cider und Wein aus waren und es nur noch Brandy und Whiskey gab. Dementsprechend war bei einigen Kollegen dann auch die Stimmung (und man kann nicht abstreiten, dass keiner von ihnen unpenetrant war).

Unseren Plan über die Dirtroad nach Port St Johns zu fahren mussten wir nach der Warnung von Sahid und ca. 5 weiteren Personen leider absagen, da diese bei nasser Straße mit unserem Auto nicht befahrbar sei (es regnete natürlich, wir waren ja am Meer). Also ging es im Nebel auf der tar road zum selbigen Ziel. Ich wollte aufgrund des Mocks schon gar nicht mehr hin, doch war es eine gute Entscheidung es doch zu tun. Belohnt wurden wir durch eine wahnsinns Landschaft im subtropischen Küstenregenwald, der hier wirklich dschungelartig ausgeprägt ist. Vor allem das Flussdelta, eingesäumt von Klippen (die eigentlich gar nicht schlecht für Trad Mehrseillängen aussehen), ist ziemlich cool (Allerdings ziehen solche Deltas anscheinend auch die Haie recht stark an, so das Baden hier eher nicht in Frage kommt). Weiter wanderten wir zu einem Blowhole, bei dem durch einen Hohlraum in der Steilküste Luft komprimiert wird und sich eine Fontäne bildet, die bei dem hohen Wellengang recht spektakulär war (Wetter schlecht…).  Auch der Weg dorthin über Leitern und Klippen war recht cool, allerdings drückten die Gedenktafeln über hier verunglückte Besucher etwas auf die Stimmung.

Übernachtet haben wir hier im Amapondo Backpackers, einer wirklich coolen Location, mit coolen Leuten und einer sehr netten Stimmung. Wahrscheinlich waren auch unsere Zimmernachbarn in guter Stimmung, als sie uns irgendwann nachts durch rhythmische Geräusche weckten. Es schien als hätten sie Spaß gehabt, gibt ja auch Schlimmeres.

Weiter ging es in die Drakensberge, die in westlicher Richtung von der Küste aus eine spektakuläre geschichtete Frontstufe bilden. Hier wollten wir einen Tag wandern gehen und entschieden uns zu den sogenannten Balancing rocks aufzusteigen. Im Gegensatz zu den Spaziergängen bisher war dies mit ca. 6-7 Stunden, dann auch mal ein ernsthafterer Test für mein Knie und es bestand ihn ziemlich gut. Das Setting der Wanderung war der Hammer, da zwar überall schwarze Wolken aufzogen, wir uns aber fast immer in der Sonne befanden (Aber das sieht man auf den Bildern mit Regenbogen etc. glaube ich sowieso am besten).  Da es so schön war und  wir uns doch mehr Zeit gelassen hatten als erwartet, lohnte es sich nun auch nicht mehr loszufahren und wir checkten wieder beim Sani Pass Backpacker ein, um unser Zimmer wieder neu zu beziehen.

Am nächsten Tag wollten wir noch die Sanipass 4×4 Strecke hochfahren, soweit es mit unserm Datsun eben geht und ein wenig nach Blöcken schauen. Und wider Erwarten kamen wir nicht sehr weit, da es sich bei diesem Auto meiner Meinung nach um eines der schlechtesten je gebauten Vehikel handelt (sowas wie ein Fahrwerk besitzt es leider nicht). Also drehten wir um und machten noch kurz ein Foto, doch was war das? Genau hinter dem No-Datsun-Point war ein fettes Blockfeld. Also mal hinlaufen und schauen ob man hier denn Bouldern könnte und vlt. mal wieder hin muss… Aber die Blöcke besaßen wirklich coole Shapes und es wäre dann einfach unverschämt gewesen hieran nicht zu Bouldern. Also wurden die Bürsten ausgepackt und munter drauf losgebürstet. Der Fels war von Block zu Block verschieden und eher auf der weicheren Sandsteinseite angesiedelt, an den guten Blöcken nach etwas Bürsten jedoch ziemlich cool und so konnte ich mit „the ever changing plan“ (ca. 7b) ein ganz cooles Dach  und mit „room for a night please“ einen cooleren leichteren Highball erstbegehen. Leider zog dann der Nebel ins Tal und es fing an zu nieseln, wodurch das Topout für die von Andrea geputzte Kante nicht mehr möglich war. Allerdings war es so cool, dass wir am nächsten Tag nochmal hin mussten, also nochmal im backpackers für einen Tag einchecken. Die Dame am Empfang lächelte nur und sagte wir wissen ja wo das Zimmer ist und auch unsere Kollegen die wir hier kennengelernt haben amüsierten sich. Am nächsten Morgen änderten wir dann auch unseren Plan und checkten schon im voraus!! für noch eine Nacht ein. Diesmal war das Wetter auch gut gesinnt und so konnte Andrea die Boulder „Diggi ich weiß nich“ und „Wynth“ erstbegehen. Ich hatte mir auch schon 2 Linien zurechtgelegt, doch spielte mein Knie im Gegensatz zum Vortag an dem es nur leicht weh tat und den 6 Stunden wandern, gar nicht mehr mit. Bei einer ganz leicht verdrehten Bewegung fuhr es mir dermaßen ins Knie, dass es so weh tat wie am ersten Tag. Ganz toll. Eigentlich ist Knie hier auch der falsche Ausdruck, da es sich nach meiner Selbstanalyse um eine Verletzung im Ansatz des semitendinosus (hinterer Oberschenkelmuskel) handelt. Aber eigentlich egal, tut echt weh und (komplette) Pause (länger als ich mag) ist wahrscheinlich die einzige Möglichkeit, dass es verheilt. Das Gebiet war auf jeden Fall ganz cool und da es in der Umgebung noch so viel Blöcke und Fels gibt, ist es durchaus möglich dass hier noch einige Top Boulder oder Gebiete rumliegen (vor allem hatten wir auf der Wanderung auch richtig gute Felsquali gesehen).

Auf dem Weg wurde dann Andrea (nicht ich!!!) bei einer Verkehrskontrolle wegen speeding herausgezogen (und zwar an einer wirklich bescheuerten Stelle: 60km/h auf 2 Spuren, hätte auch in Deutschland sein können). Auf jeden Fall hieß es 400R Strafe fürs speeding und dann völlig überraschend 600R Strafe für eine abgelaufene licence. Was? Bei einem Mietwagen? Und sie hatten tatsächlich Recht. Der Mietwagen war nur die Hälfte der Zeit regulär zugelassen und das bei einem großen Mietwagenservice (gehört zu Sixt). Nach etwas verhandeln konnten wir die Strafe dann etwas drücken, doch war es natürlich auf keinen Fall möglich eine Rechnung auszustellen (nicht dass sich die Cops sich sonst nicht mehr das neuste I-Phone kaufen können), was die kommende Beschwerde natürlich nicht einfacher macht. Aber was will man machen, wenn man den Führerschein sonst nicht zurück bekommt.

Weiter bemerkt man auf der Fahrt gen Norden, dass man sich dem Wirtschaftszentrum Johannesburg langsam annähert und die Anzahl der Minen und Kohlekraftwerke deutlich zunimmt.

Nach all diesen Verzögerungen blieben uns nun noch ganze 3 Tage an unserem eigentlichen Ziel; Waterval Boven. Vielleicht sollte Seilklettern im leicht Überhängenden mit dem Knie ja besser gehen, also machte ich ein paar Warm-up Touren und checkte dann die Tour „Monster“ in der beeindruckenden God No! Wall aus. Und der Name war Programm: 35 Meter pumpen in Hammer Fels. Das Ganze war eventuell besser als bouldern fürs Knie, doch bei Weitem nicht so gut dass ich es nochmal versuchen sollte. Andrea  hatte bei 30 Meter Touren eine nicht ganz so einfache Zeit wieder in das „geliebte“ Routenklettern hineinzukommen, so dass wir uns spontan entschieden am nächsten Tag einen Ausflug in den 2 Stunden entfernten Krüger Nationalpark zu machen. Nachdem wir am Abend in ein sehr lustiges südafrikanisches Familienfest geraten waren und blendend versorgt wurden (die Gastfreundschaft hier ist der Hammer) ging es am nächsten Tag um 4.30 (AM) los zum Tiere gucken (denn Tiere guckt man nun mal früh an, dass ist anscheinend so). Und es hat sich auch total gelohnt. Irgendwie ist es wirklich spektakulär Zebras, Giraffen…und natürlich die Big five aus nächster Nähe in der Wildnis zu beobachten. Ich denke wir hatten wirklich Glück und bis auf einen Leopard 4 der big five gesehen und teils auch so nah, dass man im Auto schon fast Angst hat, wenn Nashorn, Büffel oder Elefantenbulle sich ruckartig bewegten. Manche Viecher waren jedoch auch eher weiter weg und Andrea meinte hupen oder ganz leicht mit einer Softair abschießen (die ich leider eh nicht hatte), um sie etwas zu animieren wäre unangebracht (vlt. hat sie da ja auch recht). Aber die etwas unscheinbaren Tiere wie (teils bunteste) Vögel, Warane oder Schildkröten sind wirklich sehenswert. Allerdings war uns ein Tag Krüger dann auch genug, da man wirklich sehr viel im Auto sitzt und es schon etwas touristisch ist.

Roadtrip Südafrika (48 von 65)

Am letzten Tag wollte Andrea nochmal klettern, doch irgendwie war die Stimmung so drückend und schwül, dass man einfach Kopfweh bekommen musste und wir beschlossen lieber in den Pool zu springen und das Klettern auf den nächsten Boven Trip zu verschieben. Und der wird definitiv kommen, vlt in Kombination mit dem restlichen Norden oder den Drakensbergen. Südafrika hat wirklich noch so viel mehr zu bieten als nur die Rocklands (sogar Klettertechnisch).

Am Abend hatten wir dann mit einem fetten Gewitter noch einen spektakulären Abschluss von Boven und auch beim Abflug in Johannesburg, gab es noch eine krönende Gewitterfront, durch die unser Pilot, vor allem zur Freude Andreas, jedoch souverän durchsteuerte.

Roadtrip Südafrika (1 von 1)

 

Next stop India!

 

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