Go West – erster Stop Vegas

Der 2. Teil unserer Reise geht nach Westen. USA ist angesagt. Trotz teils recht zweifelhafter Politik und einigen sonderbaren Eigenschaften der selbsternannten „greatest country on earth“ ist es dort dann doch eigentlich ziemlich cool zum klettern. Und auch wenn hier manche Kollegen etwas komische Einstellungen haben, gibt es dann auch hier doch sehr coole Leute (und wo gibt es denn gar keine komischen Leute). Um richtig amerikanisch anzufangen geht es erstmal nach Vegas. Nein, leider nicht nur um zu zocken (macht auch gar nicht so viel Spaß, wenn man auf einer längeren Reise sparen muss), sondern um die vor den Toren von Vegas gelegenen Red Rocks zu besuchen. Rot gestreifter Fels hat hier mitten in einer Wüstenumgebung ziemlich abgefahrene Strukturen geschaffen, die super Routen und Boulder ergeben. Da Höhe immer noch nicht Andreas bevorzugtes Metier ist, ist jedoch mal wieder eher das Crashpad als das Seil unser Begleiter. Der bekannteste Sektor sind hier die Kraft Boulder, welche kaum einen Zustieg und eine hohe Konzentration an Boulder haben. Alles andere ist in verschiedenen Canyons angesiedelt, verstreut und man muss laufen. Allerdings bekommt man dafür auch atemberaubende Natur und (vor allem in den höheren Graden) oft noch etwas bessere Felsquali geboten (Andrea liebt den Zustieg in den meist super kalten Black Velvet Canyon mittlerweile richtig arg).

Für die erste Woche hatten wir eine fetten Van als Mietwagen (da der billigste), welcher knapp 300 Meilen neu war und jeglichen Schnickschnack und Komfort hatte den zumindest ich mir vorstellen kann  (ferngesteuerte Türöffner, krasser Boardcomputer…). Natürlich würden wir mit so einem Auto nie in die Canyons fahren, dirt roads sind ja schließlich verboten und es könnte Kratzer geben 🙂 Auf jeden Fall mussten wir in der ersten Woche neben Bouldern auch noch ein Auto kaufen, um auch danach mobil zu bleiben und so war erstmal ein wenig Orga-stress angesagt. Am liebsten hätte ich ja einen Monster Pick-up Truck, einen riesen RV oder zumindest fetten Camper geshopt. Allerdings wurde dann doch ein mittelgroßer Toyota Minivan (mit nicht einmal 4 wheel drive…) als praktisch auserkoren. Fast schon unamerikanisch. Allerdings schaltet er sehr sauber, hat nicht allzu viele Meilen und bisher waren seine Offroadfähigkeiten auch recht passabel. Nachdem wir nach 14 Tagen vom Campingplatz mussten, wurde dann auch der Bettausbau noch schnell fertig gebastelt und ab geht es in die große weite Welt (hoffen wir mal der Autowagen wird uns den Trip über gute Dienste erweisen).

Nach dem fetten Stress (ja, der wird auf einer Reise etwas anders definiert!) konnten wir uns voll und ganz dem Bouldern widmen und das war erstmal schwer. Warum weiß ich nicht so genau. Wahrscheinlich war bei mir die Form nicht allzu gut, da ich den größten Teil des Dezembers im Bett verbracht habe. Aber irgendwie sind die Boulder hier schon gar nicht so leicht und meist sehr kräftig. Der ein oder andere Ami hat auf jeden Fall eine gehörige Portion Moschd. Für Andrea war das Gebiet komplett neu und sie konnte dann nach etwas Gewöhnung auch ein paar richtig coole mittelschwere Boulder wie „the little V4“ oder „Jones’n“ knacken. Vor allem in den Kraft’s hatte ich leider schon einiges gemacht und es ist gar nicht mehr so einfach inspirierende Boulder zum „reinkommen“ zu finden. Einige mehr (z.B. „Fountainhead“ V9) oder weniger (z.B. den ultralowball „Monkey trench“ V10) inspirierende Boulder konnte ich trotzdem machen.

Doch wenn man ehrlich ist bin ich ja nicht hergekommen um irgendwie rumzukrebsen, sondern um „schwer“ (seeehr persönlich, im weltvergleich lächerlich) zu klettern. Einer meiner Traum-Boulder ist seid dem letzten Besuch auf jeden Fall „Wet Dream“ (V12). Ein ca. 6m langes 60° Schild durch perfekten Fels. Der Boulder bietet an Leisten, Löchern, Slopern, Zangen… perfekte Züge und abgefahren Züge – oder wo macht man schon mal Dropkneefußklemmer oder Ringlocks in Bouldern? So, genug geschwärmt. Leider finde ich den Boulder, obwohl mein Style, sau schwer. Allerdings wurde es am Anfang immer besser (wenn man mal den Katertag nach dem Superbowl auslässt), doch leider noch nicht gut genug. Des Weiteren wollte ich noch „clockwork orange“ (auch V12) klettern. Ein Highballschild an Löchern direkt in den Kraft. Zuerst dachte ich, dass dies ja wohl machbar sein sollte (Löcher kann ich ja), wenn man mal genug Pads hat (was gar  nicht so leicht ist). Pads hatten wir teils genug, vor allem da Dustin, ein mega netter Ami, extra zum spotten kam, nur konnte ich das Cruxloch (noch??) nicht halten. Hmmm, schade eigentlich. Sandsteinlöcher scheinen halt was anderes als Kalklöcher zu sein.

Mittlerweile hat auch Andrea genug Projekte gefunden (eigentlich sogar zu viele) und sich intensiv in die „Monkey Bar Traverse“ und (seid der Kaltfront) „Monkey wrench“ reingebissen (beide V7). In der Monkeybartraverse kam dann ein kleiner Shocker als es ihr im Unterarm in die Beugesehne reinzog. Mit 3 Fingern zu hängen geht nun erstmal nicht mehr, doch scheint es mit 4 Fingern oder gestellt zum Glück wieder recht gut zu gehen. Auf jeden Fall wird es in unseren Projekten besser. Allerdings könnte die Geschwindigkeit etwas höher ausfallen, sonst schaffen wir es nicht mehr nach Bishop…

Natürlich waren wir auch nicht die ganze Zeit allein unterwegs und haben so, nach Südafrika, die Voralberger Dominique und Christian wieder getroffen, mit denen wir eine super Zeit hatten. Leider hatte Dominique in Bishop ihr Außenband im Knöchel angeschrottet und konnte so nicht dem Bouldersport frönen. Aber es gibt ja auch Cafes, Abende, etc. Auch den obligatorischen Vegasbesuch haben wir dann zusammen gemacht und neben Kitschfotos von den Miragefontänen war ein wenig zocken angesagt. Leider hatte nur Dominique Glück und Andrea und ich sind mit einem Minus heimgefahren (naja, solange es nicht zu viel und zu oft ist. Die Spielsucht hat uns auf jeden Fall noch nicht gepackt).

Ein weiterer lustiger Abend war der Superbowl, den wir als typisch amerikanisches Erlebnis in einer Bar verfolgten. Passend zum Superbowl war das Bier im Angebot und das wurde dann auch ganz gut ausgenutzt. Gen Ende des Spiels konnte ich mit meinem Nebenmann noch eine fachkundige Wette abschließen, dass die „Eagles“ gewinnen und Brady das Spiel nicht mehr dreht (und ich behielt recht). Da er eigentlich für die Eagles war ließ er uns sogar 20 statt der gewetteten 10 Dollar da (auch nicht schlecht). Außerdem nahm jeder Kunde der Bar an einer Tombola teil und wir gewannen zuerst eine Baseballcap des lokalen Eishockeyteams (ja das gibt es in der Wüste), für das uns von einem Fan der Preis unserer Rechnung geboten wurde (da konnten wir bei 4 Personen schlecht nein sagen). Weiter gewannen wir noch einen fetten Bierkühlschrank. Doch was tun damit, wenn man keinen Strom hat? So vermachten wir ihn der netten Bedienung, was wohl ein ganz ordentliches Trinkgeld war.

Schließlich kamen uns noch Axel und Katinka mit ihren 2 Kids besuchen, mit denen wir ein paar Tage bouldern waren. Nun war erstmal Kinderunterhaltung am Fels angesagt. Doch ich finde Spielzeugautos halt schon auch geil, also kein Problem. Leider waren die beiden noch in Bishop verabredet und wir überschnitten uns nur ein paar Tage (wir hatten ja noch unsere Projekte), aber vlt. treffen wir sie ja nochmal.

Tja, projektieren ist ja schön und gut doch wenn man schlechter wird, hat der Spaß daran so manchmal seine Grenzen. Und so ging es mir in „Wet Dream“ schließlich. Fuck! Scheiß Bouldern. Was tun? Tradklettern natürlich. Mit „desert gold“ (13a/2 SL) hatte ich noch eine Traumtour in der Hinterhand, die ich 2012 mit Peter Würth versucht hatte. Damals war es allerdings einem gewissen Alex M. sehr wichtig schnell nach Bishop zu kommen und es blieb bei der Begehung von Peter (unten die Fotos, leider gibts keine von mir). Nun hatten wir allerdings unser eigenes Auto und so viel Zeit wie wir eben wollten. Das einzige Problem war nun, dass Andrea gerade nicht im Klettern drin war und auch wenig Lust dazu hatte. Nun ja die 5.9 oder so zum Stand müsste schon gehen, dachte ich. Ging aber leider nicht. Nach wirklich hartem Versuchen die Länge nachzusteigen war die Höhenangst zu groß und ich stand direkt unter einer meiner Traumtouren und konnte nur blöd schauen (und nicht versuchen). Also fixierte ich das Seil um die Cams aus der ersten Länge zu holen und kletterte/jümarte wieder hoch um mich dann abzuseilen, da meinte Andrea, es wär so geil, wenn sie nur von unten sichern könnte. Warum eigentlich nicht? Ist zwar mehr Seilzug, aber probieren kann man es ja mal. Und ja, es funktionierte halbwegs. Mega. Die Züge gingen erstaunlich gut. Der Start der Tour ist ein leicht überhängender Fingerriss, der sich etwas weitet und so Ringlocks fordert. Zum Glück gibt es einige Tritte und man kann den Riss auch kurz als Seitgriff benutzen. Nach diesem Boulder folgt ein Dach, welches perfekte Handklemmer besitzt und sich dann etwas weitet, was es sinnvoll macht Füße voraus zu klettern und einfach super cool ausgesetzt ist. Im Gegensatz zu letztem Mal lief es richtig gut und ich kam gleich im 2. Versuch ins Dach. Allerdings verdaddelte ich das klippen etwas (vlt. waren die 50m ausgegebenes Seil da nicht so hilfreich, oder ich bin einfach zu doof sich drehende Minikarabiner an Cams zu klippen) und so lief ich zu und hing im Seil. Schade. Also wieder kommen. Am besten am nächsten Tag, da eine fette Kaltfront vor der Tür stand. Doch leider wollte Andrea auch noch selbst bouldern und mich niemand anderes sichern. Also Kombiaktion, Zeitdruck und wieder sichern von unten. Im ersten go hatte ich dann schon die Toehocks an der finalen Kante, war jedoch so gepumpt, dass ich die Hände nicht mehr dazubringen konnte und mit einem fetten Wipper ging’s abwärts (glücklicherweise war das Seil gerade lang genug, dass ich wieder zur Wand kam). Im nächsten go kletterte ich solider durch dass Dach und sparte durch einen guten finalen Runout noch etwas Kraft, so dass ich anschließend auf dem Podest saß und den Ausblick ins Tal genießen konnte.

Nach dem Tradklettern lief es dann auch wieder besser im Bouldern und die Versuche in „Wet dream“ wurden besser, doch war ich immer noch zu blöd (oder schwach) da hoch zu klettern. Mein Plan für den Sendflow und die Psyche, mal schnell „Wet dream right“ (V11 mit dem gleichen Ausstieg) zu machen ging auch mächtig daneben, da ich immer wieder mega knapp oben runterfliege (hier def. zu blöd) und bald nicht mehr daran glaube den Ausstieg klettern zu können. Immerhin wird es bei Andrea immer besser und vielleicht kommen wir ja doch irgendwann mal wieder aus Sin City weg, obwohl wir noch einige mega nette Leute getroffen haben, aber dazu mehr im nächsten Artikel.

 

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