Yosemite – endlich wieder Kabeln

Nach dem erfolgreichen Abschluss des Bishoptrips, ging es endlich in DAS Valley. Und somit, nach fast 8 monatiger Seilkletterabstinenz, ging es nun endlich Tradklettern. Da ich seit ca. 15 Jahren primär Sportklettere und Bouldere kann ich das zwar einigermaßen, doch hat man auch mal Lust auf was anderes. Und die Klettererei im Yosemite ist definitiv anders. Im Gegensatz zum Frankenkalk klettert man nämlich primär in Rissen, was statt Lochzerren und Leistenknüppeln eine ganze Bandbreite von Klemmtechniken erfordert (Handklemmer, Fingerklemmer, Ringlocks, Offwidthtechniken, etc….), von denen ich die meisten nur schlecht bis mäßig beherrsche. Ach ja und die Wände sind ca. 60-100 Mal so hoch wie in Franken, oder auch beim Bouldern. Und genau da hatte ich Bock drauf.

Nach einem Tag Bouldern (Bäh, aber hatte keinen Sicherungspartner) ging es dann mit Andrew und Luke zum Cookie Cliff, wo es ein paar Einseillängen Trad Touren (also ohne Haken, zum absichern mit Camalots und so) gibt. Der Plan war sich ein wenig ans Rissklettern zu gewöhnen und dies dann in größere Wände zu übertragen. Nachdem ich Luke Andrea’s Gurt geliehen hatte (ja, er ist ein noch größerer Chaot als ich!) ging es los mit „Outer Limits“ coolen Handriss (der einfachsten und einzig halbwegs von mir beherrschten Rissbreite).

Die Tour war Mega, doch da geht noch etwas mehr. Apropos Schwierigkeitsgrade, diese sind für mich hier irgendwie in einer anderen Skala (Fantasie), und nicht übersetzbar, da ich meine normalen Fähigkeiten hier halt nicht anwenden kann. Die Tour war z.B. 5.10a (also so 6+?), das geht meist noch, da Handriss, doch alles was schwerer ist erfordert andere Risstechniken und ist somit sau schwer. Aber genau das will ich ja lernen. Also versuchten wir als nächstes „Haard“ (5.11a). Ja und es war auch irgendwie hard. Erstmal musste man sich durch einen Offwidth-Schlund pressen, aus dem ich dann auch erstmal rausgepollert bin. Naja ich hatte den fetten Cam (6er, sehr schönes Spielzeug) halt auch genau da platziert wo ich eigentlich lang klettern wollte, das ist dann halt doof. Doch egal, ich will ja nur trainieren und fightete mich nochmal hoch. Fighten kann man beim Rissklettern irgendwie nämlich ganz gut (taugt mir) und das ganze wird auch nicht weniger pumpig durch das platzieren diverser Sicherungen (geht am Anfang auch nicht unbedingt super schnell). Ich flog dann zwar mit Schmerzen im Hand und Fußgelenk nochmal am letzten Zug, doch der Modus war an: ich hatte super Spaß und richtig Bock auf Rissklettern! Dann kletterten wir mit „Catchy“ noch eine coole 5.10d in der ich viel zu viel gear legte, da ich immer dachte, die nächste Stelle sieht sau schwer aus und als ich dann an der schweren Stelle war, war ich zu gepumpt und musste einfach weiterklettern (war auch nicht zu weit weg vom Cam). Zu dritt waren wir nicht sonderlich schnell und mir tat auch immer noch ein wenig die Hand von „Haard“ weh. Also entschieden wir, dass diese 3 Routen ein guter Tag zum einklettern waren und ich dachte, dass so ein wenig Schmerz halt zum Rissschrubben dazugehört.

Leider täuschte ich mich in beidem und der „gute Tage zum einklettern“ war erstmal mein letzter. Denn meine Hand schwoll über Nacht super dick an und es tat jegliche Bewegung, die man so mit der Hand machen kann (greifen, stützen, drehen,…) einfach nur weh (und zwar nicht zu wenig). So war jedenfalls nicht an klettern zu denken. Somit supportete ich Andrea erstmal beim Bouldern.

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Bei Andrea läuft der Besuch in einem neuen Gebiet eigentlich immer gleich ab. Topinformiert und motiviert werden erstmal ein paar der Klassiker und möglichen Projekte versucht. Naja und da diese meist nicht so geschenkt sind und es manchmal hilft sich an ein neues Gestein zu gewöhnen (und das ist zwar ziemlich geil aber schon speziell im Yosemite), fallen diese Boulder nicht immer dem flash Modus zum Opfer. Also folgt erstmal eine kleinere (bis mittlere) Sinnkrise, mit Sätzen wie: Ich kann gar nicht mehr klettern, ich kann gar nichts mehr, oder auch die Frage ob wir doch zu viele Eis gegessen haben und die Form deswegen kaputt ist. Diese Phase dauert unterschiedlich lange, bis etwas mehr Boulder gefunden werden, die etwas mehr taugen und ja, tatsächlich eine Eingewöhnung stattfindet. Dann wird das Gebiet immer als besser erachtet und am Ende, in Phase 3 (wenn dann auch der ein oder andere schwerere Boulder fällt), ist das Gebiet Weltklasse, man will nicht mehr weg und auf jeden Fall in den nächstmöglichen Ferien wieder hin. Dieser Zyklus wiederholt sich in jedem Gebiet von fast in exakt der selben Form und ist meta-kognitiv nicht im geringsten zu erfassen, so dass Andrea auf jeden Fall auf externen Support (meist von ihrem Freund) angewiesen ist, um irgendwie Phase 1 (und 2) zu überstehen. Ich versuche hier natürlich mein bestes und bitte tiefst zu entschuldigen, falls ich dies nicht immer in der notwendigen angebrachten Ernsthaftigkeit und Konzentration (z.B. weil ich nur im Campingstuhl sitze und Buch lese) tun kann.

So, aber nun mal wieder zum Yosemite selbst. Das Bouldern hier ist, wenn man nicht gerade wie ich dem Bouldern generell abgeneigt ist, wirklich cool. Die Gesteinsquali ist zwar von Gebiet zu Gebiet sehr verschieden, doch eigentlich immer ziemlich geil. Super war auch, dass wir den Rosenheimer Thomas kennenlernten, der ebenso sehr bouldermotiviert war und Andrea somit nicht mehr alleine losziehen musste. Die beiden konnten sich zusammen gut pushen und jede Menge Gebiete erkunden und Boulder ziehen.

So konnte Andrea einige coole Boulder in dem klassischen Gebiet rund ums Camp 4 machen (voll der gute Zustieg, teils nur 1min vom Camp). Weiter taugten ihr die Ahwahnee boulder wo sie z.B. „Smile for the Green Dragon“ (V5) klettern konnte, die Sentinel Boulder, Curry Village oder das Candyland. Ihr Lieblingsgebiet waren aber vlt. (ich hoff ich liege nicht falsch) die Cathedral Boulders, bei denen sie zweimal war und die eine etwas feinere Gesteinsstruktur besitzen und etwas dunkler sind (mehr Biotid und Hornblende). Hier hatten wir eine super lustige Session mit Ole und Jakob, die nach ihren Bigwall-Abenteuern hier fast alles machen konnten. Da muss man natürlich fast mitziehen und so holte sich auch Andrea eine schnelle Begehung von „Ladder Detail“ (V5). Das eigentliche Projekt „Fishhead“ (V7) ging leider knapp nicht mehr, doch wir müssen so oder so nochmal ins Yosemite (auch wenn dass in Phase 3 immer behauptet wird). Aber hier jetzt echt.

Und was machte ich außer im Campingstuhl schlechte Stimmung verbreiten? Naja, einmal versuchte ich es noch mit dem klettern und zwar in dem Superklassiker „Seperate Reality“, von Ron Kauk, der wahrscheinlich jedoch vor allem durch das Solobild von Wolfgang Güllich bekannt ist. Die Hand tat zwar ein wenig weh, doch konnte ich erstaunlicherweise im Dach ganz gut klemmen (wahrscheinlich weil das Handgelenk hier recht gerade war). Geil, der Schmerz war erträglich und so konnte ich der Begehung von Jakob auch meine eigene nachlegen. Die Tour ist zwar nur eine Seillänge lang, doch ist es schon ein sehr cooles Gefühl über das Dach zu manteln und auch wenn man den größten Teil des Tals mit dem Auto hochgefahren ist, ist die Exponiertheit und Aussicht der Hammer.

Anschließend gab es erstmal Regen. Viel Regen. So viel Regen, dass der Nationalpark „evakuiert“ wurde. Das heißt, alle Leute wurden weggeschickt – wer kein Auto hatte, hatte halt ein Problem, da die Standardbuse schnell alle überfüllt waren (und zusätzliche gab’s halt nicht). Wir hatten ja zum Glück ein Auto, in das wir dann auch noch Jakob reinstecken konnten, und es ging zu Alexa, die am Rande des Parks im Greenhouse wohnt und bei der wir die 2 Fluttage verbringen konnten. Und zwar 2 richtig lustige Tage. Ole und Jakob waren zwar etwas hyperaktiv und konnten nicht so richtig chillen (was meiner Grundgeschwindigkeit an Ruhetagen eher widerspricht), doch immerhin bastelten sie so einen Ghetto-Badewannenhottub, der schon ziemlich gemütlich war.

Nach 2 Tagen zocken, chillen und Leben genießen ging es dann wieder zurück ins Camp 4 (fast schon bissl schad). Während Andrea wieder bouldern konnte ging es für Ole und Jakob die Nose hoch. Ich muss zugeben, da war ich schon ein wenig neidisch, doch leider war für mich klettern immer noch nicht drin (und dabei blieb es auch den Trip). Nachdem ich nun genug entspannt hatte entschied ich mich ein wenig wandern zu gehen – das ist gar nicht so schlecht im Yosemite. Während auf der Talsole an manchen Tagen gefühlte 1 Million Menschen im Tal sind (vlt etwas übertrieben bei tatsächlichen 4,5 mio im Jahr), ist weiter oben im Tal (so nach 4 Meilen laufen) kaum noch jemand und statt Parkplatzsuche und Stau hat man absolute Ruhe und den Mega Ausblick. Besonders die Wanderung mit Thomas zum Glacier Point und einem gar nicht so kurzen Rundweg über die Vern und Nevadafalls, hatte richtig spektakuläre Ausblicke. Der Glacierpoint ist wohl der berühmteste Ausguck im Park und es geht auch eine fette Straße hin, doch ist die im Winterhalbjahr zu und eventuell könnte auch der Wanderweg den wir genommen hab noch gesperrt gewesen sein (wenn man es ganz genau nimmt). So waren wir da oben komplett allein, was schon eine coole Atmosphäre war. Und es waren ja auch keine Kinder da, denen man als Vorbild dienen müsste und Absperrungen beachten und so. Die 2. richtig coole Wanderung war auf den El Cap hoch, was mit kleineren Umwegen gar nicht mal so kurz war und ich kam somit schon so auf meine 20 Meilen oder so, aber soll ja auch trainieren. Vlt. nehm ich so wenigstens ein bisschen ab, wenn ich schon nicht klettern kann. Vor allem der noch verschneite Wald und die dazwischen liegenden Schmelzbäche schafften eine Wahnsinns Atmosphäre (und ich war glaube ich noch nie so froh zumindest knöchelhohe Goretexschuhe an zu haben). Vor allem im 2. Teil habe ich glaub ich mehr Bobcat Spuren als menschliche gesehn und mit Thomas haben wir so ein Viech auch einmal ziemlich nah beobachten können. Die Aussicht vom El Cap war dann auch recht nice, doch das nächste Mal gehts da auf jeden Fall auf der anderen Seite hoch.

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